„Manchmal hasse ich den Tag, an dem ich geboren wurde..."

Wie kommt ein 13 Jahre altes Mädchen aus Sardinien, einer der schönsten Inseln des Mittelmeers, Sardinien dazu, in einem Aufsatz solche Worte aufzuschreiben?

Seit Mama gestorben ist, ist alles noch viel schlimmer geworden. Unsere Bettwäsche ist ganz zerrissen.

Meine Schulkameraden verspotten mich, weil ich keine Mutter habe und weil ich in der Schule so schlecht bin. Aber ich bin so schlecht, weil ich so oft fehle oder weil ich krank bin, oder weil ich ins Krankenhaus muss. Ich wäre gerne eine gute Schülerin.

14811248797318kinderzaehlt.JPGAber wenn ich tagelang auf meine Transfusion warten muss, weil kein Blut da ist, kann ich mich nicht konzentrieren.

Oft schickt mich der Lehrer nach Hause. Ich hätte gerne einen Nachhilfelehrer. Weil wir kein Geld haben, das wir ihm geben können, kann ich keinen haben.

Und Sebastiano muss arbeiten und er hat keine Zeit. Niemand hilft uns.

Einmal hat mich Giancarlo gesehen, als mir Sebastiano die Medikamentenpumpe dran gemacht hat.
Am nächsten Tag wusste es die ganze Klasse. Sie haben mich verspottet, weil ich sie immer dran machen muss.

Ich will eine schöne Familie haben, und auch eine hübsche Mama, die ich den anderen zeigen kann. Seit Mama tot ist, habe ich niemand mehr, dem ich mein Herz ausschütten kann. Mit Sebastiano will ich nicht reden, weil ich nicht will, dass er sich Sorgen macht.

Der Professor im Krankenhaus hat gesagt, dass nach der Transplantation alles besser ist. Ich hoffe, dass es so ist. Ich will danach keine Operation mehr haben. Ich bin müde von den vielen Krankheiten.

Ich weiß nicht, wie viele Spritzen und Infusionen und Transfusionen und Untersuchungen ich seit meiner Geburt gekriegt habe. Ich habe immer Angst, dass ich durch eine Transfusion mit schlechtem Blut einmal krank werde und Gelbsucht oder AIDS kriege. Aber Dr. Cadeddu untersucht ja das Blut vorher.

Warum helfen uns nicht mehr Menschen? Ich wünsche ihnen nicht, dass sie einmal diese Krankheit haben und ihnen dann auch niemand hilft.

Das wünsche ich nicht einmal einem Hund.  Aber ich finde, die Gesunden müssen etwas für die Kranken tun. Aber ich mache ihnen keinen Vorwurf. Es ist nämlich so, dass, wenn man gesund ist, man nicht an die Kranken denkt.

Ich sehe immer, dass sich Sebastiano um mich und Boella Sorgen macht, und deshalb bin ich sehr unglücklich. Denn ich will auch, dass Sebastiano glücklich ist.